Space-Marketing Experte Jürgen Aha

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bemängelt deutsche und europäische Raumfahrtpolitik

Im Schneckentempo zum Mond. Space-Marketing-Experte Jürgen Aha bemängelt deutsche und europäische Raumfahrtpolitik

Die internationale Raumfahrt hat sich in den vergangenen 30 Jahren von einem prestige- und Militärgetriebenen „Space Race“ zur Schlüsseltechnologie für wichtige Fragen elementarer Menschheitsprobleme gewandelt. Digitale Kommunikation, Satellitennavigation, und Umweltbeobachtung aus dem All sind nur einige Beispiele. Forschungen an Bord der Internationalen Raumstation ISS in der Schwerelosigkeit führen zu neuen Erkenntnissen in Medizin und bei Werkstoffproduktion. Weitere Meilensteine sind in Sicht: Das ehrgeizige Projekt OneWeb entsendet derzeit 900 Satelliten in den Orbit, um einst in jedem Winkel der Welt via Satellit direkten Internetzugang zu ermöglichen. Ein riesen Benefit für viele bislang digital abgehängte Menschen in Entwicklungsländern. Wissenschaftler arbeiten an riesigen Solarpanelen, die eines Tages die Energiegewinnung aus dem All ermöglichen und damit schmutzige Kraftwerke von der Erde verbannen könnten. Rohstoffgewinnung auf dem Mond und Ausbeutung von Asteroiden sind noch Zukunftsmusik, rücken aber immer mehr in Reichweite.

Die Basis für diese „New Space“-Bewegung sind neue, wiederverwendbare und dadurch deutlich kostengünstigere Trägerraketen. Dies ist der Schlüssel für alle weiteren Explorationen zu „Moon, Mars and Beyond“. Das erkannte vor allem Elon Musk, der ab 2002 mit seinem Unternehmen Space-X wiederverwendbare Raketen im Retro-Schub-Verfahren entwickelte und erfolgreich einsetzt. Andere Pioniere wie Jeff Bezos mit Blue Origin und das US-amerikanische Luft- und Raumfahrtunternehmen BOING steigen ebenfalls mit Siebenmeilenstiefeln in diesen neuen, privaten New Space-Markt ein.

Aber auch China und Indien sind erstarkte Player in der Raumfahrt geworden. Russland verfügt mit der Sojus-Rakete über das zuverlässigste Launcher-System der Welt und die neue Federazija-Raumkapsel wird die robuste russische Raumfahrt schon bald in die Zukunft führen.
Was aber tut sich in Deutschland, dem Entdeckerland der Raumfahrt? Deutsche Raumfahrt ist überwiegend eingebettet in die Europäische Raumfahrtagentur ESA. Stand 2019 hat die deutsche und die europäische Raumfahrt jedoch keine Vision, keine politischen Fürsprecher und nur bescheidene finanzielle Mittel.

Fangen wir mal bei den Finanzen an:
Das Jahresbudget der Europäische Raumfahrtagentur ESA beträgt 2019 ganze 5,72 Mrd. Euro. Hört sich nach viel an, ist es aber nicht. Geht man von ca. 500 Mio. Europäern aus, die im ESA-Bereich leben (ESA und Europäische Union sind nicht ganz deckungsgleich), so bedeutet dies für jeden Bürger der jährliche Betrag einer Kinokarte.
Dem gegenüber beträgt das Raumfahrtbudget der USA 2019 umgerechnet 19 Mrd. Euro, also etwa vier Mal so viel. Und dies bei einer geringeren Bevölkerungsanzahl von nur 320 Mio. Dies macht 0,5% des jährlichen US-Haushalts aus. In der Hochzeit der Apollo-Missionen 1966 lag dieser Anteil sogar bei 4,4%!

Wie kann das sein? Die beiden führenden ESA-Staaten Frankreich und Deutschland kümmern sich einfach nicht genug um die Raumfahrt. Macron und Merkel beschäftigen sich lieber mit Personalpolitik bei der EU-Kommission, mit krummen Gurken und der richtigen Zusammensetzung einer Pizza Napoli. Weit und breit gibt es keinen europäischen Politiker mit Vision und Format, der sich für eine Budgeterhöhung der europäischen Raumfahrt stark macht. Die letzten Epigonen hießen Heinz Riesenhuber und Franz Joseph Strauß, lang ist´s her. Wenn Europa, bzw. die ESA bei der entscheidenden Schlüsselindustrie international mithalten will, muss das ESA-Budget auf mindestens 10 Mrd. Euro verdoppelt werden, und zwar sofort.

Nächstes Trauerspiel: Die europäische Raketentechnologie:
Der Launch der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 wurde nun mit viel Tamtam für Juli 2020 angekündigt. Dabei gilt das System schon jetzt als zu teuer und bereits technisch veraltet. Trägerraketen müssen heute wiederverwendbar sein. Das hat nun auch das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum DLR erkannt, jedoch wolle man die Funktionsweise einer rückwärtslandenden Raketentechnologie erst noch besser „verstehen“ und erforschen und gründete daher dieses Jahr das Projekt RETALT. Dafür wolle man im Rahmen des Forschungsprojekts sage und schreibe ganze 3 Mio. Euro investieren. Es sei daran erinnert, dass Elon Musk bereits seit 2008 überwiegend erfolgreich wiederverwendbare Trägersysteme dieses Verfahrens im Einsatz hat und weiland 2002 mit 90 Mio. Dollar in die Entwicklung einstieg.
Im Schneckentempo zum Mond:

50 Jahre nach Apollo 11 hat nun ein neues globales Space Race zum Mond eingesetzt. Die NASA will bis 2024 wieder bemannt auf dem Mond landen. Das ist natürlich totaler Quatsch, da bis heute noch kein neuer Lunar-Lander entwickelt wurde und weder das Geld noch die Zeit ausreicht. Eher wird ein Chinese auf dem Mond landen. Aber das ist ein anderes Thema.
Bereits 2006 präsentierte das größte private deutsche Raumfahrtunternehmen OHB auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA eine in Deutschland entwickelte, unbemannte, lunare Landefähre samt Versuchslabor, genannt „Mona Lisa“. Das System sollte gar als „Sprungbrett“ zur Erforschung des Mars dienen. Donnerwetter! Was wurde daraus? Nichts. Das Modell wurde anschließend eingemottet und verschwand im Depot. Auf der folgenden ILA 2008 präsentierte die ESA eine bemannte Version einer Ariane-Rakete. Damit hätte Europa endlich einen bemannten Zugang zum All in Sicht. Doch auch dieses wunderschöne Modell endeten im Depot. Zu teuer. Die Liste der geplanten und verworfenen Mondmissions-Ideen ließe sich hier lange fortführen.

Die ESA will sich nun an einer Raumstation beteiligen, die permanent um den Mond kreist, genannt „Lunar Orbital Platform Gateway“. Das multinationale Projekt soll bereits 2022 starten, es ist aber noch nichts seitens der ESA entwickelt und geliefert worden.
Dann kam 2008 der „Google Lunar X-Prize“, ein globaler Wettbewerb, ausgerichtet vom Google-Konzern. Das ausgelobte Preisgeld von 20 Mio. USD sollte jenes Team erhalten, welches es zuerst schaffen würde, mit einer überwiegend privat entwickelten Technik einen unbemannten Mond-Rover zu unserem Erdtrabanten zu schicken. Daraus entstand das Berliner Startup- Unternehmen „PT-Scientists“. Der Google- Preis wurde 2018 zwar beendet, doch das geniale Technikerteam rund um den Gründer Robert Böhme gewann Sponsoren wie Audi, Vodafone, Red Bull und weitere renommierte Partner und entschloss sich, auch ohne Google weiterzumachen. Das mittlerweile auf 70 Mann angewachsene New Space- Unternehmen hat eigenständig einen Lunar-Lander, sowie Lunar-Rover entwickelt. Der Start zum Mond ist nun für 2020 geplant. Damit würde erstmals in der Geschichte eine private Mondfähre auf dem Mond landen, und dazu noch aus Deutschland. Ein Weltereignis! Doch mit Blick auf SpaceX weiß man, dass private Raumfahrt immer auch staatlichen Anschub braucht. Die NASA hat SpaceX nun mit Dienstleistungen im Wert von 1,6 Milliarden USD. Beauftragt. Raumfahrt- und Marketingexperte Jürgen Aha dachte sich, da wäre es doch schön, wenn das Bundeswirtschaftsministerium die Entwicklung des Lunar Landers der ambitionierten PT Scientits mal mit schlaffen 5 Mio. Euro fördern würde. Was begann, war ein fast endloser Spießrutenlauf über Bundestagsabgeordnete, Minister, bis hin zum DLR. Resultat: Es gibt keinen Pfennig von Bund. Als Jürgen Aha dann das DLR-Vorstandsmitglied Dr. Gerd Gruppe 2016 bei einer Raumfahrtveranstaltung darauf ansprach, warum das DLR denn diese beeindruckende Mondmission nicht mal mit 5 Mio. unterstützen wollte, sagte dieser nur: „Ich glaube nicht, dass die mit dieser Summe etwas vernünftiges anfangen können“ und wendete sich ab.

Die Sache nahm 2019 eine geradezu obskure Wende. Während die Politik noch immer dem Projekt tatenlos zuschaut, sich aber gerne bei jeder Gelegenheit mit den Mission to the Moon-Modellen vor der Bildpresse ablichten lässt, hat sich nun auch der Konzern Arianespace drauf gehängt. Man möchte mit der „neuen“ Ariane 6 den PT-Scientists Mondlander befördern. Nachdem also die geballte und finanzstarke europäische Raumfahrt nach Jahrzehnten nicht in der Lage war, eine eigene Mondmission zu starten, hängt sich der staatliche „Dinosaurier“ Arianespace nun an das New-Space Unternehmen PT Scientists. Findige PR-Strategen riefen bei der Pressekonferenz am 8. Mai 2019 aus: Das ist nun Europas neue Mondstrategie. Wir werden sehen, ob Arianespace Wort hält und liefert.

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