„Ich kann nur schwer Entscheidungen treffen.“ – Denken Sie das auch oft von sich? Dann wird es Sie sicher überraschen zu erfahren, dass Sie tagtäglich bis zu 20000-mal genau das tun. Der rote Pullover oder doch lieber der mit den blauen Streifen? Kaffee oder Tee? Biobananen oder doch die günstigeren eingeschweißten? Viele Entscheidungen laufen unbewusst und blitzschnell „aus dem Bauch heraus“ ab, ohne dass wir uns dessen bewusst sind bzw. ohne dass wir lange überlegen müssen. Dann gibt es aber noch die Entscheidungen, die uns schwerer fallen. Als Selbstständiger mit eigenem Unternehmen sind solche Situationen nicht selten. Schon lange vor der Gründung müssen Sie unzählige Entscheidungen treffen, die Sie sogar schriftlich für alle sichtbar in Ihrem Businessplan festhalten. Das fängt an mit der grundsätzlichen Frage: Gründen – ja oder nein? Auch wichtig: Mit welcher Geschäftsidee mache ich mich selbstständig? Später geht es um Entscheidungen zum Firmennamen, Firmenlogo, zur Website, Visitenkarten, Büroräumlichkeiten, Mitarbeiter … im Grunde wird es kaum Tage geben, in denen Sie als Unternehmer keine Entscheidung treffen müssen. Das Gute: Wir können unsere Entscheidungsfreude aktiv trainieren und das richtige Umfeld für gute Entscheidungen schaffen.

Darum fallen uns manche Entscheidungen so schwer

Besonders schwer fallen uns Entscheidungen über Dinge, die erst in der Zukunft wichtig sein werden. Bei vielen Entscheidungen erhalten wir direkt ein Resultat, im besten Fall eine Belohnung für unser richtiges Handeln. Manche Prozesse, über die wir heute entscheiden müssen, benötigen allerdings mitunter Monate oder sogar Jahre, bis wir erfahren, ob wir uns richtig oder falsch entschieden haben. Stellen Sie sich z. B. vor, dass Sie sich für ein bestimmtes Büro entscheiden müssen. Weil Sie vorhaben, in einiger Zeit zu expandieren, wählen Sie das etwas größere, dafür aber auch teurere Gebäude. Ob sich diese Investition auszahlt, erfahren Sie erst in der Zukunft – Sie müssen also weit vorausplanen und ein wenig riskieren. Schwierig sind auch Entscheidungen, die für lange Zeit Gültigkeit haben. Wenn Sie sich also für einen Firmennamen oder ein Logo entscheiden müssen, dann wissen Sie, dass Sie mit Ihrer Entscheidung für die nächsten Jahre nicht nur zufrieden, sondern idealerweise glücklich sein sollten. Gar nicht so einfach, sich da zu entscheiden.

Optionen minimieren – zu viel Auswahl macht das Entscheiden schwerer

Ein interessantes Experiment hat gezeigt, dass uns die Entscheidung immer schwerer fällt, je mehr Optionen bzw. Alternativen wir haben. Der Grund ist, dass man sich mit jeder Entscheidung FÜR etwas automatisch auch GEGEN etwas entscheidet. Je höher die Anzahl der Dinge, gegen die man sich entscheidet, desto größer scheint der vermeintliche „Verlust“ und desto schwieriger und komplizierter erscheint die Entscheidung. Das Experiment drehte sich um Marmelade: Je mehr Sorten zur Auswahl standen, desto schwieriger taten sich die Testpersonen mit der Entscheidung. Bei 5 Sorten ging alles recht schnell, bei 13 Sorten dauerte es wesentlich länger. Einige Testkäufer verließen das Geschäft sogar mit leeren Händen, weil sie sich nicht entscheiden konnten bzw. gestresst waren.
Tipp für Unternehmer: Machen Sie es Ihren Kunden mit einem übersichtlichen Angebot leicht, eine Entscheidung zu treffen. Wenn Sie dennoch nicht auf eine große Auswahl verzichten möchten, stellen Sie die Unterschiede klar heraus, damit Ihre Kunden es einfacher haben, ihren Favoriten zu finden.

Wirksame Entscheidungshilfen für Existenzgründer und Unternehmer

Auch für Sie als Unternehmer gilt: Grenzen Sie Ihre Auswahl ein, dann wird Ihnen die Entscheidung leichter fallen. Bei der Suche nach der richtigen Geschäftsidee etwa sollten Sie alle Ideen realistisch auf Machbarkeit und Rentabilität prüfen und unrealistische Ideen rigoros und konsequent streichen, bis nur noch zwei oder drei auf Ihrem Zettel stehen. Für diese bleibenden Vorschläge erstellen Sie eine Pro-und-Contra-Liste und wägen anhand dieser ab, welche die ideale Geschäftsidee für Sie ist. Mit einem Businessplan der bis in die Tiefe wichtige Gründungsfragen klärt können Sie dann die finale Sicherheit erlangen. Lassen Sie sich in Bezug auf Ihr Firmenlogo anstelle von zehn Entwürfen nur drei zeigen – die Entscheidung wird Ihnen garantiert leichter fallen. Sollte keiner der drei Logoentwürfe ins Schwarze treffen, können Sie sich immer noch weitere Ausarbeitungen ansehen. Ebenso verfahren Sie bei Ihren Visitenkarten, Zeitungsanzeigen, Website etc.

Wenn Sie für eine Entscheidung den Austausch mit anderen Menschen brauchen, bedenken Sie auf jeden Fall dabei, dass jede Person, die Sie fragen, eine andere Meinung haben wird. Fragen Sie also nur die Menschen, die passende Kompetenzen mitbringen und Ihnen fachlich weiterhelfen können. Ein Beispiel: Sie haben drei Logoentwürfe zur Auswahl und zeigen Sie Ihre Familie, einem ehemaligen Kollegen, sechs verschiedenen Freunden und dazu noch Ihrer Nachbarin. Wer von diesen Personen beurteilt das Logo unter Marketinggesichtspunkten, wer hat also Ahnung von der Materie und wer entscheidet rein nach persönlichem Geschmack? Hilft Ihnen eine solche „Umfrage“ wirklich weiter oder verwirrt sie Sie sogar?

Wenn Sie sich wirklich einmal schlecht oder gar nicht entscheiden können, gibt es einige Dinge, die Sie aktiv tun können, um den Entscheidungsprozess in Gang zu bringen:

1. Ausreichend schlafen – hört sich logisch an, beherzigen aber gerade Existenzgründer nicht immer.
2. Für eine ruhige Atmosphäre sorgen – nur so kann man in Ruhe eine Pro-und-Contra-Liste erstellen und erfolgreich Abwägen.
3. Ab und zu aufstehen und für Bewegung und frische Luft sorgen – das Gehirn arbeitet dann viel effektiver.
4. Nicht im Übermut oder in „Partylaune“ entscheiden – lieber eine Nacht darüber schlafen und mit klarem, neutralen Kopf noch einmal alles prüfen.
5. Nicht an all die Dinge denken, GEGEN die Sie sich entscheiden – die Gründe FÜR eine Entscheidung sind ausschlaggebend und wichtig.
6. Finden Sie heraus, was Ihnen persönlich wichtig ist – jetzt, in 5 und in 10 Jahren. Richten Sie Ihren Weg danach aus und arbeiten mit jeder Entscheidung auf Ihre Ziele hin.
7. Ratschläge einholen aber trotzdem selbst entscheiden – lassen Sie sich als Selbstständiger niemals eine Entscheidung von außen abnehmen, auch wenn es verlockend und sinnvoll erscheinen mag. Sie tragen letztendlich die Verantwortung für Ihr Unternehmen und sollten zu 100 % hinter getroffenen Entscheidungen stehen können.
8. Mit einer einmal getroffenen Entscheidung niemals hadern – wenn Sie tatsächlich eine Fehleinschätzung oder falsche Entscheidung entdecken, müssen Sie natürlich handeln. Wenn allerdings nichts Schlimmes passiert ist, sollten Sie diesen Punkt als erledigt abhaken.

Warum gerade Unternehmer entscheidungsfreudig sein müssen

Grundsätzlich gilt: Nehmen Sie sich für Entscheidungen die Zeit, die Sie benötigen. Allerdings sollten Sie irgendwann auch mal „in die Pötte“ kommen, sonst kostet Sie das Ganze nicht nur Zeit, sondern mitunter bares Geld. Nehmen wir an, Sie verkaufen Ihr Biogemüse auf dem Markt und denken darüber nach, einen weiteren Stand auf einem anderen Markt zu eröffnen. Bevor Sie sich entscheiden, wägen Sie ab, welche Vor- und Nachteile eine Expansion hätte. Es kommen Standgebühren hinzu und vielleicht müssen Sie jemanden einstellen, der Ihnen hilft. Ware muss neu kalkuliert werden und Sie wissen nicht genau, wie hoch Ihre Umsätze sein werden. Sie prüfen dafür die wöchentlichen Besucherzahlen und schauen, ob es Konkurrenz auf dem neuen Markt gibt. Eventuell sprechen Sie auch mit anderen Verkäufern oder mit Ihrer Familie und Freunden darüber. Sagen wir mal, dass alles für einen zweiten Stand spricht – warum können sich mache Menschen dann trotzdem nicht oder erst nach langem Zögern entscheiden?

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung – aber nicht die beste

Irgendwann kommt für jede Entscheidung der Zeitpunkt, wo Sie alle Infos beisammen haben und theoretisch eine Entscheidung treffen könnten. Alle Vor- und Nachteile sollten sich in Ihrem Kopf zu einem Bild formen und nach einiger Zeit ein JA oder NEIN ergeben. Mit jedem Tag, den Sie ab diesem Zeitpunkt mit Überlegen und nicht mit Entscheiden verbringen, wird es für Sie schwerer. Nicht nur, dass die Zweifel wachsen, Sie könnten in dieser Zeit schon lange Umsätze (im obigen Beispiel auf dem neuen Markt) generieren. Stattdessen investieren Sie immer mehr Zeit in Ihre Überlegungen, die Ihnen im Grunde kein Geld bringt und die Ihnen an anderer Stelle fehlt. Ein wenig Angst hat wohl jeder Selbstständige bei richtungsweisenden, wichtigen Entscheidungen. Dieses Logo oder jenes? Diese Website oder jene? Neue Mitarbeiter oder nicht? Keinesfalls sollten Sie solch weitrechende Entscheidungen übereilt treffen oder wenn Sie nicht in der richtigen Stimmung für gute Entscheidungen sind. Aber unnötig langes Herauszögern kann auch zum Misserfolg führen. Manchmal muss man Dinge auch einfach ausprobieren und etwas wagen – natürlich ohne leichtsinnig zu sein.

Fazit: Egal, ob es um Ihre Selbstständigkeit ansich, Ihre Geschäftsidee, Ihren Firmennamen, Ihr Logo, Ihren Internetauftritt, Büro, Mitarbeiter oder Partner, um Lieferanten oder um die Auswahl der richtigen Visitenkarte geht – wenn Ihre Intuition und Ihre gesammelten Pros und Cons für etwas sprechen, seien Sie mutig, geben Sie sich einen inneren Ruck und gehen Sie los. Nobody is perfect und jede Entscheidung wird Sie im Endeffekt weiterbringen.
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