Trump: Lose-lose-Plan f├╝r die Weltwirtschaft

(Bildquelle: @IStockphoto)

Protektionismus zerst├Ârt komplexe Lieferketten. Dennoch hat der US-Pr├Ąsident genau so etwas Zerst├Ârerisches im Sinn. Wie reagieren internationale Unternehmen?

Mexiko ist nerv├Âs. J├Ąhrliche Exporte von rund 300 Milliarden Dollar in die USA sind in Gefahr. Auch ein h&z-Kunde findet im Gespr├Ąch die Pl├Ąne des neuen US-Pr├Ąsidenten gar nicht zum Lachen. Navico ist Weltmarktf├╝hrer f├╝r Schiffselektronik und bedient den US-Markt von Mexiko aus.

Fast die H├Ąlfte der Wertsch├Âpfung importiert der Hersteller in Form von Bauteilen aus Asien. Er l├Âscht die Ware in Kalifornien, schafft sie auf dem Landweg in das Werk Ensenada in Mexiko, um die fertigen Produkte dann wieder in den USA zu verkaufen. Die hohen Importz├Âlle der USA, die Donald Trump angek├╝ndigt hat, tr├Ąfen die Firma also gleich doppelt.

Noch ist nichts sicher. Keiner wei├č, ob Trump seine protektionistischen Ma├čnahmen mit Strafz├Âllen von bis zu 45 Prozent tats├Ąchlich durchzieht. Er verh├Ąlt sich auch im h├Âchsten Amt der USA wie ein Deal Maker aus der Immobilienbranche, der seine Gegner gerne mal mit Maximalforderungen erschreckt, um ihnen am Ende das Gef├╝hl zu geben, sie h├Ątten noch Gl├╝ck gehabt.

Doch dass der Autohersteller Ford den Bau seiner Fabrik in Mexiko erst einmal gestoppt hat, gibt zu denken. Auch dass die mexikanische Regierung ├╝berlegt, mit welchen Anreizen sie die Nachteile der Trumpschen Zollpolitik f├╝r Produktionsstandorte in Mexiko ausgleichen k├Ânnte, zeigt, dass die Bedrohung ernst genommen wird. Grund
genug, sich gut vorzubereiten.

Protest auch bei US-Firmen

Im Moment sind zwar nicht wenige ├ľkonomen und Experten dabei, dem Pr├Ąsidenten zu erkl├Ąren, dass seine Politik auch die Vorprodukte f├╝r US-Fabriken verteuern w├╝rde, was entweder die Endverbraucherpreise steigen lie├če oder die Gewinne und Zahl der Arbeitspl├Ątze schrumpfen. Die gr├Â├čten Importeure sind oft auch die gr├Â├čten Exporteure: So produziert der deutsche Hersteller BMW in dem gro├čen Werk in Spartanburg (South Carolina) nicht nur f├╝r den US-Markt, sondern f├╝r die ganze Welt.

Da ist auch der Faktor Zeit: Neue, inl├Ąndische Lieferanten m├╝ssten erst langwierig qualifiziert und zertifiziert werden, aber auch Standorte lassen sich nicht von jetzt auf gleich verlegen. Ein gro├čer deutscher Zulieferer der Luft- und Raumfahrtindustrie etwa sagt gegen├╝ber h&z: „Wir nehmen Trumps Drohungen ├╝berhaupt nicht ernst“. Als Lieferant von Boeing sei man kaum ersetzbar. Der Austausch von bew├Ąhrten Systemkomponenten in einem Flugzeug ist ein Vorgehen, das weder OEMs noch die Betreiber begr├╝├čen w├╝rden. „Die USA schnitte sich ins eigene Fleisch und schadete ihren eigenen Unternehmen.“ Gleiches gilt sicherlich in einer Vielzahl von High Tech Unternehmen in den USA.

Die Gleichung der globalen Supply Chain, die ein komplexer Mix aus Spezifikationen, Qualit├Ąt, Lieferf├Ąhigkeit und Preis ist, hat sich ├╝ber viele Jahre der Globalisierung optimiert.. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Abschottung den Wettbewerb beschr├Ąnkt und damit dem Ideenreichtum und der Effizienz der US-Firmen Fesseln anlegt. Dies h├Ątte Auswirkungen auf die eigenen Arbeitnehmer. Denn innovative K├Âpfe sch├Ątzen den Wettbewerb und k├Ânnten so ins Ausland gehen. Letztendlich tr├Ąfe es also den Konsumenten im eigenen Land, der zwar US Produkte im Regal finden w├╝rde, die im schlimmsten Fall weniger innovativ und daf├╝r teurer w├Ąren. Dies bef├╝rchten auch
Handelsketten wie Wal-Mart und Sears, die heute mit global optimierten Zulieferketten die besten Produkte f├╝r ihre Kunden anbieten m├Âchten.

Ob die Regierung Trump einen Handelskrieg mit China durchhalten w├╝rde, wo die USA doch von den dort gef├Ârderten Seltenen Erden maximal abh├Ąngig sind, ist fraglich.

„Trumps Pl├Ąne sind definitiv nicht gut durchdacht. Wir sind aber vorbereitet, falls sie dennoch realisiert werden“, sagt Jim Brailey, Executive Vice President bei Navico. Man k├Ânne die Endmontage zum Beispiel in die USA verlegen oder aber einem bereits bestehenden Werk in Osteuropa zuweisen, falls die Ma├čnahmen sich nur gegen Mexiko richteten, sagt er. Die zus├Ątzlichen Logistikkosten l├Ągen immer noch unter den angek├╝ndigten Strafz├Âllen.

Sich vorbereiten, das sollten alle Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Lieferkette in irgendeiner Form ber├╝hrt sein wird durch die Politik des Herrn Trump, ist real – wie real, wei├č nur die Regierung selbst.

Denken in Szenarien

Manche Firmen ziehen sich bei solchen Risiken auf die gro├če Unsicherheit zur├╝ck, mit denen sie behaftet sind, und warten erst einmal ab. Oder sie f├╝hlen sich stark, etwa allein aufgrund ihrer Bedeutung als Arbeitgeber, wie zum Beispiel der Siemens-Konzern mit seinen 60 Produktionsstandorten und 50.000 Besch├Ąftigten in den USA. Nat├╝rlich hat es keinen Sinn, in Panik zu verfallen. Doch das Denken in Szenarien erscheint vern├╝nftig.

Mit Hilfe von Netzwerksimulationen k├Ânnen die Produktion in Verbindung mit m├Âglichen Z├Âllen aber auch Lieferantenstrukturen analysiert und bewertet werden. Das gilt auch f├╝r Standortverlagerungen mit ihren Auswirkungen auf die Gesamtkosten in der Lieferkette. Die strukturierte Erfassung von Risikofeldern und Einzelrisiken mit anschlie├čender Quantifizierung und Bewertung erlaubt die Formulierung von Szenarien, die jeweils genaue Strategien und einen konkreten Ma├čnahmenkatalog nach sich ziehen.

Es geht nicht nur um Z├Âlle. Die gesamte wirtschaftspolitische Zukunft der USA steht auf dem Pr├╝fstand von Trump. Auch diskriminierende steuerpolitische Ma├čnahmen sind schon vage angek├╝ndigt. Wie wird sich die US-W├Ąhrung entwickeln, mit welcher Folge f├╝r die Zinspolitik? Werden Talente abwandern? Wird die Abschottung Vergeltungsma├čnahmen provozieren?

Unger├╝hrt gab sich diese Woche Siemens-Chef Joe Kaeser: Er reiste wie geplant nach Mexiko und k├╝ndigte Investitionen an. Die sind mit 200 Millionen Dollar zwar ├╝berschaubar und sollen sich ├╝ber volle zehn Jahre erstrecken. Dennoch wurde die Geste in Mexiko dankbar aufgenommen. Und solche Treue macht sich vielleicht sp├Ąter noch bezahlt.

Manche Unternehmen trauen dem frisch angetretenen US-Pr├Ąsidenten also nur eine kurze Laufzeit oder nur begrenzte Unvernunft zu. Tats├Ąchlich scheint es schwer vorstellbar, dass sich Trump am Ende f├╝r eine „Lose-lose-Situation“ entscheidet, also einen Zustand, wo alle nur verlieren.

Doch er ist eben ein Deal Maker, ein Pokerspieler, einer der Verluste in Kauf nimmt, so lange die Gewinne auf seiner Seite stehen. Bei solch einem Gegenspieler sollte man besser ein gutes Blatt in der Hand halten oder, wie beim Schach, f├╝nf Z├╝ge im Voraus denken.

Autor: Thomas Mrozek
verantwortet als Partner bei der h&z Unternehmensberatung den Bereich Supply Chain
Management. Sein Schwerpunkt ist die Steuerung komplexer Lieferketten. Hier betreut er Unternehmen unter anderen auf ihrem Weg zu umfassenden Serviceverbesserungen.

h&z Unternehmensberatung AG
h&z steht f├╝r Beratung mit Hirn, Herz und Hand – seit 1997. Mit Standorten in M├╝nchen, D├╝sseldorf, Dubai, Hamburg, Paris, Wien und Z├╝rich geh├Ârt das Unternehmen zu Europas f├╝hrenden Unternehmensberatungen mit den Schwerpunkten Strategie & Optimierung, Einkauf, Supply Chain Management, Technologie & Innovation, Vertrieb & Wachstum, Service und Training. 20 der DAX-30-Unternehmen sowie zahlreiche Mittelst├Ąndler z├Ąhlen zu den Kunden. 98 Prozent von ihnen beauftragen h&z wiederkehrend. Als Mitglied der Transformation Alliance ist h&z Teil eines weltweiten Netzwerks mit ├╝ber 420 Beratern an 13 Standorten. h&z wurde mehrfach mit dem Great-Place-to-Work-G├╝tesiegel als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Mehr unter www.huz.de

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